Dienstag, 25. Juli 2017

Belgien-Reise Tag 2: Brüssel - die Hauptstadt Europas, Teil 1

Am zweiten Tag startete nach dem Frühstück die Stadtrundfahrt durch Brüssel mit unserer Reiseleiterin Louise. Louise war ganz nett, stammte aus Antwerpen und konnte sehr gut und kurzweilig erzählen. Die Tour begann mit einer Rundfahrt durch die Innenstadt, während der uns Louise sehenswerte Gebäude zeigte und erklärte, darunter den Königspalast und den Place Royale, auf dem sich das Reiterstandbild von Gottfried de Bouillon befindet - dem legendären Kreuzfahrer und "idealen Ritter". Danach ging es zu Fuß weiter. Kaum waren wir aus dem Bus ausgestiegen, fing auf einmal der Asphalt unter unseren Füßen an, stark zu vibrieren. Das Metronetz liegt hier so knapp unter den Straßen, dass sich die Vibrationen der fahrenden U-Bahnen auf den Asphalt übertragen. Ein sehr komisches Gefühl.

 Gottfried de Bouillon


Brunnen vor dem Palais des Congres

Zuerst besuchten wir die Galeries Royales Saint-Hubert - eine der schönsten Arkadenbauten aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde im Jahr 1847 fertig gestellt und diente als Zufluchtsort für die Reichen und Schönen der damaligen Zeit, welche die zwielichtigeren Viertel Brüssels meiden wollten. Heute findet man dort zahlreiche Boutiquen und Geschäfte, die u.a. typisch belgische Süßigkeiten und Brüsseler Spitzenarbeiten anbieten.

 Galeries Royales Saint-Hubert


 Brüsseler Spitze


Das absolute Highlight unseres Besuchs in Brüssel war jedoch der Grote Markt - das Zentrum und Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt und seit 1998 in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Der Grote Markt gilt als einer der schönsten Plätze Europas und das absolut zurecht. Das gotische Rathaus und die barocke Fassadenfront der Gildehäuser sind eine wahre Augenweide und das ganz besonders, wenn die Goldverzierungen auch noch so schön von der Sonne zum Leuchten gebracht werden. Als wir den Platz am späten Vormittag besuchten, war dort auch noch nicht soviel Betrieb und man konnte den Anblick so richtig auf sich wirken lassen.

Der Grote Markt war bereits im 11. Jahrhundert das Zentrum von Brüssel und wurde auf einem trockengelegten Sumpfgebiet entlang des Steenwegs erbaut - einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen Flandern und dem Rheinland. Er diente als Marktplatz und Richtstätte. 1695 wurde er während der Pfälzischen Erbfolgekriege fast vollständig zerstört und in den Folgejahren in seinem heutigen Erscheinungsbild wieder aufgebaut.

Rathaus am Grote Markt

Fassaden der Gildehäuser

Maison du Roi

Beim Grote Markt befindet sich auch die Statue von Everard´t Serclaes, die vom Brüsseler Bildhauer Julien Dillens stammt. Serclaes ist einer der meistverehrten Bürger der Stadt und lebte im 14. Jahrhundert. Nach dem Tod von Johann III. von Braband bestiegt seine ältere Tochter Johanna den Thron, während die jüngere Tochter Margarete aufgrund der Bijde Inkomst, die eine Teilung des Herzogtums Brabant zwischen den Töchtern verhinderte, leer ausging. Der Ehemann von Margarete, Graf von Flandern Ludwig von Male, akzeptierte diese Regelung nicht und belagerte die Stadt Brüssel. Seine Taktik war es, die Stadt von der Versorgung abzuschneiden und die Menschen auszuhungern. Serclaes gelang es jedoch, die Brüsseler zu retten, indem er des nachts mit seinen Truppen über die Stadtmauer schlich und die Flamen verjagte.
Anschließend soll er Tausende von Hühnern in die Stadt getrieben haben, um die Bürger vor dem Hungertod zu bewahren. Der Graf von Flandern sann angesichts seiner Niederlange nach Rache und ließ Serclaes von seinen Häschern ermorden. Daraufhin brachen die aufgebrachten Brüsseler in Scharen zum Grafenschloss auf, um ihren Helden zu rächen und das Schloß zu brandschatzen. Die Legende erzählt, dass die Brüsseler als Wegzehrung ihre über alles geliebten Hühner mitnahmen, was ihnen den Spitznahmen "Kiekenfretters" (Hühnerfresser) bescherte.
Bis heute gilt eine Berührung der Statue Serclaes als glücksbringend. Wer seinen Arm berührt und sich dabei etwas wünscht, dem wird dieser Wunsch erfüllt.

Everard´t Serclaes

Unser Weg führte uns weiter zur berühmten Brunnenfigur Manneken Pis. Auf dem Weg dorthin kamen wir wie überall in den Städten Belgiens an zahlreichen Läden vorbei, die Waffeln in allen denkbaren Variationen anboten. Louise erklärte uns, dass es zwei Sorten von Waffeln gibt - die Brüsseler Waffeln und die Lütticher Waffeln. Die Brüsseler Waffeln werden ohne Zucker gebacken und sind knuspriger. Bei den Lütticher Waffeln kommt dagegen Zucker in den Teig und sie sind eher weich. Als Topping ist alles möglich, was man sich vorstellen kann: haufenweise Sahne, Früchte, Fruchtsoße, Eis, Nutella und Karamell. Wir konnten uns da sehr gut zurückhalten. Es hatte draußen gut 30°C und wer weiß wie lange diese Sahneberge schon hinter den Schaufenstern in der Sonne brutzelten.



Louise erzählte uns auch vom belgischen Nationalgericht: den Muscheln. Man nimmt Zwiebeln, Sellerie, Kräuter, ein wenig Wasser und ein wenig Wein und kocht die Muscheln kurz darin. Dazu isst man Senfsoße und die in Belgien obligatorischen Pommes.

Neben Waffeln, Pommes frites und Muscheln ist Belgien vor allem auch für sein gutes Bier bekannt. Insgesamt gibt es rund 2000 verschiedene, belgische Biersorten. Jede Woche kommen neue Sorten dazu und jede Woche verschwinden auch wieder welche, wenn sie bei den Leuten nicht so gut ankommen und der Umsatz nicht stimmt. Neben einigen großen Brauereien gibt es in Belgien sehr viele kleinere Hausbrauereien, die zur Vielfalt des Bierangebots beitragen.

In Belgien gibt es für das Bierbrauen kein Reinheitsgebot wie in Deutschland. Hier ist also alles erlaubt und es können beliebig Kräuter, Früchte, etc. als Zutaten hinzugefügt werden. Während unserer Reise konnten wir insgesamt 13 verschiedene Sorten probieren und tatsächlich unterscheiden sich die Biere ganz extrem im Geschmack. Jede Biersorte wird hier außerdem in einem speziellen, nur für die jeweilige Sorte bestimmten Glas serviert.

Ein besonderes Bier ist das Geuze Boon, das in der Nähe von Brüssel gebraut wird. Die Besonderheit ist hier, dass dieses Bier nicht durch Zusatz von Reinzuchthefen, sondern durch Spontangärung vergoren wird. Dabei gelangen neben den Naturhefen auch Bakterien in das Bier, die ihm eine milch- oder essigsaure Note verleihen. Das Geuze Boon entwickelt sehr viel Kohlensäure und wird wie Champagner mit einem Korken verschlossen. Louise gab uns den Rat, dass wir das untere Drittel der Flasche nicht trinken sollten, wenn wir das Geuze Boon probieren möchten. Zwar würde man nicht sterben, wenn man es trinken würde, aber man sollte am nächsten Tag dann in der Nähe einer Toilette bleiben. Auf dieses Experiment haben wir dann lieber verzichtet.

Eines der stärksten Biere ist das Duvel - das Teufelsbier, das wir schon am ersten Abend gekostet hatten. Es heisst, dass man ein oder zwei Gläser gefahrlos trinken kann, aber beim dritten Glas wird man dann zum Teufel. Das stärkste belgische Bier trägt den sinnigen Namen Delirium Tremens und trägt als dazu passendes Logo den rosaroten Elefanten. Ob man selbigen beim Genuss dann tatsächlich sehen kann, haben wir aber nicht ausprobiert.





Kommentare:

  1. Ein toller Reisebericht und so schöne Bilder. Vielen Dank für diesen ausführlichen Post. Ich trinke zwar kein Bier, aber nach Brüssel würde ich sehr gern einmal fahren.
    LG Susa aus Hamburg

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  2. Da ich noch nicht in der Brüssel war, umso mehr freue ich mich über deinen Bericht, liebe Varis, und über die spannenden Bilder.
    Danke für Mitnehmen! Hab einen wunderfeinen Tag, die Grażyna

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  3. Ich mag deine Reiseberichte total!! Und den hier besonders, weil er mich über eine Stadt in den Bann ziehen konnte, die bisher nie, auch nicht im Entferntesten auf meinem Reiseradar aufschien.
    Außerdem hab ich was dazu gelernt,nämlich dass die hübschen Häuser Gildehäuser heißen. Die hab ich schon so oft in diversen Blogs und auf IG bewundert (meistens in deutschens Städten)und hatte keine Ahnung, dass die einen eigenen Namen tragen.
    Alles Liebe und danke für diesen großartigen Bericht, Babsy

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  4. Sehr interessanter Reisebericht, Dankeschön. Ich reise weiterhin gerne mit. Lg aus Wien

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  5. ...sehr schöner und interessanter Bericht über diese schöne Stadt...da ich sie nicht kenne, bin ich dir gerne gefolgt,

    liebe Grüße Birgitt

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  6. Ojaaa, Brüssel die Geburtstadt meiner Schwiegermutter, immer wieder hat sie mir von Brüssel erzählt und, dass da soviel passiert ist usw.

    Ein interessanter Bericht, den ich gerne gelesen habe.

    Mit lieben Grüßen Eva

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  7. WOW, was für ein toller Reisebericht, liebe Varis!
    Ich wollte schon immer mal nach Brüssel, jetzt hast du mich in meinem Vorhaben bestärkt, diese interessante Stadt selbst einmal zu besuchen.
    Deine Bilder sind einfach herrlich und die Infos dazu echt wissenswert.
    Lieben Gruß
    moni

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Vielen lieben Dank, dass ihr euch die Zeit für einen Kommentar nehmt. Ich freue mich sehr über jeden einzelnen!
LG, Varis